Was ist eigentlich die Schülerbeförderung

Wenn wir jemandem von unserem Geschäft und unseren Produkten erzählen, fangen wir meist damit an zunächst den Markt bzw. die Aufgabe zu erklären. Außenstehenden ist oft nicht klar, wie komplex und herausfordernd die Strukturen in der Schülerbeförderung sind. Gleichzeitig sind die Aufgaben nicht genau und einheitlich geregelt, da jedes Bundesland und sogar jeder Landkreis eigene Regeln aufstellt und diese auch teils unterschiedlich umsetzt.

Die Herkunft

Schüler haben in Deutschland eine Schulpflicht. Das regelt zwar jedes Bundesland selbst, zumindest diesen Punkt haben aber alle gemein. Natürlich muss der Staat, wenn er sagt „Schüler du musst zur Schule gehen“, auch dafür sorgen, dass er in die Schule gehen kann. Das macht er, indem er zunächst Schulen errichtet und mit Lehrern und Material ausstattet. Logisch. Ohne Schule, keine Erfüllung der Schulpflicht.

Das allein hat Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch gereicht. Es gab zum einen sehr viele Kinder, was eine große Zahl Schulen nötig machte, zum anderen hatte jedes noch-so-kleine Dorf seine eigene Dorfschule.

Im letzten Jahrhundert hat sich dies aber gewandelt. Menschen zogen von den Dörfern in Städte, Geburten gingen zurück und die kleinen Dorfschulen konnten nicht mehr „wirtschaftlich“ betrieben werden.

Mit dem ersten „Dorfschulensterben“ mussten Kinder nun große Distanzen täglich zurücklegen. Gleichzeitig nahm der Verkehr auf den Straßen immer mehr zu, was den Schulweg zusätzlich gefährlicher machte.

Aus dieser Situation schuf der Staat die allgemeine Schülerbeförderung.

Die Grundlagen

Wie schon geschrieben, regelt in unserem Föderalismus jedes Bundesland die Bildungsangelegenheiten selbst. Darin eingeschlossen ist auch die Schülerbeförderung. In Sachsen ist sie bspw. im Schulgesetz geregelt und nimmt dort nur einen Absatz eines Paragrafen ein:

Träger der notwendigen Beförderung der Schüler auf dem Schulweg bei öffentlichen und staatlich genehmigten Ersatzschulen freier Träger sind der Landkreis oder die Kreisfreie Stadt, in deren Gebiet sich die Schule befindet. – §23 Absatz 3 Sächs. Schulgesetz

Hinzu kommen häufig noch landkreiseigene Satzungen, Verwaltungsvorschriften und Gerichtsurteile. Einen genauen Anforderungskatalog oder gar einheitliche Regelungen gibt es nicht.

Auch dies ist auf die langsame und kontinuierliche Einführung der Schülerbeförderung zurückzuführen. Sie wurde lange nur in lokalen und selbstorganisierten Systemen aufgebaut und war somit immer nur Gegenstand der Rechtsprechung, nicht der Gesetzgebung.

Die Schüler

Von den ca. 11 Mio. Schülern können immerhin 50% zur Schule laufen.

Weitere 40 – 45% können den ÖPNV nutzen, um zur Schule zu kommen. Diese Schüler erhalten von den Schulträgern meist eine Jahreskarte oder bekommen einen Anteil der Kosten zurück erstattet.

Die restlichen 5 – 10% sind Schüler, die den ÖPNV aus verschiedenen Gründen nicht nutzen können. Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Ein Grund ist, dass schlicht kein Bus zur Schule fährt. Besonders in ländlichen Gebieten ist das nicht selten. Auch wenn Dörfer ans ÖPNV-Netz angeschlossen sind, ist nicht jeder Schulort von jedem Wohnort aus erreichbar. Ein weiterer Grund ist, dass Schüler aufgrund einer Behinderung oder einer Entwicklungsverzögerung schlicht nicht in der Lage sind, einen vielleicht vorhandenen Bus zu nutzen. Zunehmend sind auch die Schüler, die vielleicht zu einer grundsätzlich geeigneten Schulen eine ÖPNV-Anbindung haben, aber wegen einem besonderen Schulangebot oder einer sog. „Inklusion“ an eine weiter entfernte Schule gebracht werden müssen.

Diese Schüler werden individuell mit Taxis und Kleinbussen (Größe VW Transporter), dem sog. „Freigestellten Schülerverkehr – FSV“, zur Schule gebracht. Dieser FSV wird durch die Schulträger und/oder die Landkreise/Kreisfreien Städte organisiert. Er ist dabei um ein Vielfaches kostspieliger als der ÖPNV und unterliegt vielen variablen Faktoren, wodurch er umfangreich und aufwändig zu organisieren ist.

 

Anzahl Schüler Schülerbeförderung Deutschland
Übersicht Anzahl Schüler in der Schülerbeförderung

Über den Autor

Lars Lehmann
Lars Lehmann

Lars Lehmann ist Mitgründer und Geschäftsführer bei Stadt.Land.Netz. Er hat zehn Jahre in verschiedenen Positionen regionaler Behörden gearbeitet und verantwortet nun die Bereiche Produkt und Entwicklung bei SLN.