ÖPNV und Schülerbeförderung in 20 Jahren

Die Digitalisierung ist im vollem Gange. Im privaten Sektor hat bereits nahezu jedes analoge Produkt und jede Dienstleistung einen digitalen Gegenpart erhalten. Millionen Menschen arbeiten bereits heute in Jobs, die es vor 20 Jahren noch gar nicht gegeben hat. Und was in unserem Alltag bereits ganz normal geworden ist, wird in den nächsten Jahren auch in Behörden und öffentlichen Einrichtungen Einzug halten. Die Digitalisierung wird die Art und Weise, wie Behörden Ihre Dienstleistung erbringen, stark verändern. Das wird auch Auswirkungen auf den ÖPNV und die Schülerbeförderung nehmen. Wir wollen Ihnen heute drei Punkte beschreiben, bei denen die Änderungen schon heute absehbar sind.

1. Autonomes fahren

Schon heute haben selbstfahrende Fahrzeuge Millionen von autonom gefahrenen Kilometern zurückgelegt. Dass die Technik schon nahezu marktreif ist, zeigt die Tatsache, dass mit Tesla bereits ein Autobauer einen Autopiloten serienmäßig mit ausliefert. Es ist also nur noch eine Frage weniger Jahre, bis uns unsere Autos selbst abholen können.

Doch was bedeutet das für uns im Alltag? Es bedeutet, dass Fahrzeuge noch mehr zur Selbstverständlichkeit werden und als normale Infrastruktur oder als Dienstleistung wahrgenommen werden. Autos werden keine Produkte großer Autokonzerne sein, sondern Dienste von IT-Firmen. Schon heute zeigt sich der eindeutige Trend, dass besonders junge Menschen in Städten kein Bedürfnis mehr dazu haben ein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Es ist schon heute kein Statussymbol mehr und wer kann, der verzichtet lieber darauf. Carsharing-Anbieter boomen darum umso mehr.

Das wird nicht spurlos am Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel vorbeigehen. Sie werden mit autonom fahrenden Fahrzeugflotten nämlich einen mächtigen und deutlich komfortableren Konkurrenten erhalten. Selbstfahrende Autos haben nämlich, im Gegensatz bspw. zu Taxis, den Vorteil, dass sie keinen Fahrer brauchen und damit deutlich günstiger betrieben werden können. Außerdem haben sie kein Auslastungsproblem, da sie individuell auf die aktuelle Bedarfslage einer Stadt reagieren. Werden weniger Fahrzeuge gebraucht, stellen sich die Autos ab und kosten kein Geld. In Leistungsspitzen können sie optimal eingesetzt werden, da Strecken, Verkehr und Auslastung von Systemen genau berechnet werden können.

Damit werden diese Fahrzeugflotten sehr viel günstiger und durch ihre Individualität eine echte Konkurrenz zu den etablierten Nahverkehrs-Angeboten.

2. Autonomer ÖPNV

Damit einhergehend ergeben sich auch Chancen für den ÖPNV. Neben selbstfahrenden Autos, können nämlich bereits heute auch Busse und Straßenbahnen autonom fahren. Erste Projekte sind schon im Entstehen. Auch hier liegen die Vorteile in der deutlichen Kostensenkung durch Entfall von nötigem Personal und in der Effizienz-Steigerung durch bedarfsgerechtere Einsatzplanung.

Heute verkehrt der ÖPNV vor allem in festen Taktzeiten über einen relativ langen Zeitraum. In Großstädten fahren Busse und Bahnen meist im 10-Minuten-Takt und das von 5:00 Uhr am Morgen bis 20:00 Uhr am Abend. Wirklich ausgelastet sind die Fahrzeuge jedoch nur in den Zeiten des Berufsverkehrs. Häufig sind sie in diesen Zeiten sogar überlastet. In den übrigen Zeiträumen fahren meist nur schwach besetzte Fahrzeuge umher. Noch gravierender ist dieses Phänomen auf dem Land. Hier machen 70% des ÖPNV-Aufkommens Schüler aus. Diese müssen jedoch nur zu den üblichen Schulzeiten befördert werden, während die Busse sonst nur sehr wenige Fahrgäste befördern.

Mit autonom fahrenden Fahrzeugen, die auf Abruf ihre Leistung erbringen, wird ein großer Teil der gefahrenen Strecken eingespart oder bedarfsgerechter abgedeckt werden.

3. Schülerbeförderung

Projizieren wir diese Entwicklungen auf die Schülerbeförderung, fällt schnell auf, dass auch sie einen immensen Wandel durchlaufen wird. Wo heute noch zumeist kleine bis mittelgroße Taxi- Bus- und Mietwagen-Unternehmen die Beförderung der Schüler übernehmen, wird in naher Zukunft die Beförderung ebenso durch selbstfahrende Autos erfolgen.

Die Mitarbeiter in den Behörden werden dabei Aufträge nicht mehr an die Verkehrsunternehmen senden, sondern die Beauftragung geht direkt technisch an die entsprechenden Fahrzeuge. Damit können ein ganze Reihe weiterer Möglichkeiten entstehen. So kann wirklich bedarfsorientierte Beförderung gewährleistet werden. Fallen Schüler bspw. wegen Krankheit aus, können Systeme live neue Konstellationen berechnen. Eltern können sehen wo sich ihre Kinder gerade befinden und ob sie gut in der Schule oder Zuhause angekommen sind.

VIA ist eine Software für die Freigestellte Schülerbeförderung

Meldungen an Eltern, automatische Routenberechnung, Benachrichtigung von Unternehmen und Schulen – all das kann übrigens unsere Plattform VIA bereits. VIA unterstützt Sie bei der Planung Ihrer freigestellten Schülerverkehre mit schlauen und einfachen Funktionen.

Betrachten wir die Schülerbeförderung, müssen wir aber auch bildungsseitige Entwicklungen berücksichtigen. Es ist absehbar, dass die Bildung in den nächsten Jahren einem ähnlich starken Wandel unterliegen wird. Der bekannte „Frontal-Unterricht“ wird durch andere Lernformen ergänzt. Es werden mehr und mehr außerschulische Bildungsangebote entstehen, welche zwar zum Bildungsalltag gehören, jedoch nicht mehr im Klassenraum stattfinden. Bedürfnis- und talent-basiertes Lernen wird auch Anforderungen an die Flexibilität der Schülerbeförderung richten. Was heute noch meist verhindert wird, da dies mit einer komplexen Organisation und hohen Kosten verbunden ist, wird in 20 Jahren vielleicht völlig normal sein.

Fazit

Die Digitalisierung wird uns vor große Herausforderungen stellen. Sie wird unsere tägliche Arbeit stark verändern. Dabei werden Arbeitsplätze entfallen und viele Neue geschaffen werden. Und sie lässt sich nicht aufhalten. Darum sollten wir ihr mit Freude entgegentreten, da sie uns vor allem unser Arbeit schöner und effizienter gestalten lässt und sinnvolle Ideen und Konzepte mit sich bringt.

Über den Autor

Lars Lehmann
Lars Lehmann

Lars Lehmann ist Mitgründer und Geschäftsführer bei Stadt.Land.Netz. Er hat zehn Jahre in verschiedenen Positionen regionaler Behörden gearbeitet und verantwortet nun die Bereiche Produkt und Entwicklung bei SLN.